Der kritische BlickNatürlich ist die Motivation der Verlage, das Urlaubsziel über ihren Reiseführer dem potenziellen Kunden anzupreisen und das Urlaubsziel möglichst positiv und interessant darzustellen. Trotzdem sollten die Verlage auch die teilweise bedenklichen Entwicklungen im Auge behalten und am Ende nicht als Fortschritt verkaufen. In dieser Kategorie wird versucht, das Ganze an einem konkreten Beispiel auszuführen: Albufeira - einst ein kleines Fischerdorf - ist heute eine der größten Touristenstädte der Algarve mit großen Hotelbauten und vielen Gästebetten. Durch einen eigene Abstecher nach Albufeira können wir die Ausführungen der Reiseführer in etwa bewerten. MP. Der Marco Polo beschreibt Albufeira wie es ist, hält sich aber mit Kritik weitest gehend zurück. Allenfalls zwischen den Zeilen erkennt man ab und an leichte Ansatzpunkte. Allerdings wird eher auf "trotzdem positive" Entwicklungen eingegangen, wie z. B, dass versucht wurde, den Bauboom in gewisse Bahnen zu lenken. ML. Der Merian beschreibt die Stadt auch sehr neutral: Ganz klar geht hier hervor, Albufeira ist für die Partyurlaubsfraktion geeignet. Die Hintergrundinformationen zur Geschichte des Ortes tendieren gegen Null. Wie der Fischereihafen immer noch Flair verbreitet, bleibt das Geheimnis des Redakteurs. Wir fanden an der beschriebenen Stelle Urlauber in rauen Mengen, einen komplett überdachten Platz und ein Restaurant neben dem anderen. MM. Michael Müller ist derjenige, der sich am intensivsten und kritischsten mit den touristischen Entwicklungen auseinandersetzt. Im Fall von Albufeira ist das Urteil des Autors sehr klar und deutlich: »... Noch so ein Klotz im eigentlich winzigen "historischen Zentrum" von Albufeira. Unglaublich, wie man die wenigen Reste, die vom alten Dorf noch übrig geblieben sind, auch heute noch den Interessen einiger weniger Profiteure liefert. ... Die ehemals hübsch ordinären Fischerspelunken ... haben aufgerüstet und renoviert - inzwischen ist fast die gesamte Platzfläche bestuhlt ...«. ZusammenfassungLeider gehen die beiden ersten Reiseführer nicht oder auf unerfreuliche Entwicklungen ein und verpassen es so, den Reisenden für bestimmte Themen zu sensibilisieren. |